Samstag, 9. April 2011

Der Denkautomat


Von Oehmke, Philipp


Mitten in der Kapitalismuskrise entdeckt die Subkultur den Kommunismus neu. Ihr Star ist der slowenische Philosoph Slavoj #381i#382ek, der Marxismus mit Pop und Psychoanalyse mischt. Seine Auftritte bieten Stand-up-Comedy für eine linksradikale Avantgarde. Von Philipp Oehmke

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Ein Wochenende Ende Juni in der Berliner Volksbühne, und die Big Three, die großen Denker der neuen Linken, sind angekündigt: Antonio Negri, Italiener, Ende siebzig, ein ehemaliger politischer Häftling, Autor von "Empire", dem bekanntesten neomarxistischen Bestseller der vergangenen zehn Jahre; Alain Badiou, Philosophieprofessor in Paris, Anfang siebzig, sehr abstrakt, Maoist und Universalist, sucht eine neue "kommunistische Hypothese"; Slavoj Žižek, Slowene, Psychoanalytiker, Philosophieprofessor in Ljubljana, Gastprofessor in Saas Fe und London, Anfang sechzig, der "Elvis der Kulturtheorie" (so der Untertitel eines Films über ihn). Oder: "Der gefährlichste Philosoph des Westens". Einer seiner erbittertsten Gegner hat ihn so genannt. Es war nicht als Kompliment gemeint, gerade deswegen gefällt es Žižek.

Die drei sind Intellektuelle, aber sie sind auch Stars, wie früher Sartre und Camus, die Existentialisten, oder zuletzt Foucault, Deleuze oder Derrida, die Poststrukturalisten, alles Franzosen. Aber seit deren Hochphase, also seit bald 20 Jahren, war diese Planstelle des Pop-Philosophen unbesetzt, sieht man einmal von Bernard Hénri-Levy ab, den Žižek vor allem deswegen verabscheut, weil er immer so viel Brusthaar zeigt.
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Dabei sind die meisten Wortbeiträge schon in ihrer Originalsprache kaum zu verstehen. Simultan übersetzt werden sie zu sinnfreier Lyrik. Aber es soll hier nicht um einfache, um konkrete Antworten gehen, die gibt es bei der Linkspartei oder den Gewerkschaften. Genauso wenig soll es um einen Blick zurück in die Geschichte gehen, zurück in das düstere 20. Jahrhundert, zu seinen Katastrophen, die im Namen des Kommunismus geschehen sind, zu seinen Opfern, zu den mehr als 30 Millionen Ermordeten, zu Stalin, zu Pol Pot, den Arbeitslagern, der Überwachung. Nein, es soll hier um Theorie gehen, um eine neue "kommunistische Hypothese", wie Badiou es nennt, um Universalismus, das Subjekt in der Geschichte, Wahrheitsereignisse, um Hegel und um Psychoanalyse nach Jacques Lacan.
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20 Jahre nach dem vorläufigen Ende des kommunistischen Experiments und genau 21 Monate nach dem Fastkollaps des kapitalistischen Status quo gibt es offenbar eine Sehnsucht: nicht nach linker Politik, sondern nach linker Theorie. Je drängender die praktischen Probleme, je müder unsere Demokratie, je kaputter der Euro, je schlechter die Koalition, je unkontrollierbarer die Banken - desto abstrakter die Suche nach Wahrheit, desto interessanter die Philosophie.
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Sein Repertoire ist ein Mix aus der Psychoanalyse des obskuren Jacques Lacan und der Idealismusphilosophie Hegels, aus Filmanalyse, Demokratie-, Kapitalismus- und Ideologiekritik und einem manchmal autoritärem Marxismus gepaart mit Alltagsbeobachtungen. Er erklärt das ontologische Wesen der Deutschen, Franzosen und Amerikaner anhand ihrer Toiletten und dem daraus abzuleitendem Verhältnis zu ihren Fäkalien und reagiert auf Kritik zunächst mit einem fröhlichen "Fuck you!", ausgerufen in harten slawischen Konsonanten. Kollegen, die er schätzt, aber eine andere Lehre vertreten, teilt er mit, sie könnten sich darauf einrichten, in den Gulag zu gehen, sollte er, Žižek, bald an der Macht sein. Žižek mag den Schauder, den das Wort Gulag ausstrahlt.
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Žižek liebt es, Sichtweisen zu ihrem Recht zu verhelfen, wenn eigentlich das Gegenteil als richtig gilt, kontraintuitive Beobachtungen nennt er das. Seine liebste Denkform ist die des Paradoxons, mit Hilfe seines psychoanalytischen Rüstzeugs versucht er nachzuweisen, wie die liberale Demokratie die Menschen manipuliert. Eine seiner berühmten Alltagsbeobachtungen dazu betrifft die Tür-zu-Knöpfe in Fahrstühlen. Er hat herausgefunden, dass sie Placebos sind. Die Türen schließen keine Sekunde schneller, wenn man den Knopf drückt, aber das müssen sie auch nicht. Es reicht, dass der Drückende die Illusion hat, er könnte etwas beeinflussen: Genauso, sagt Žižek, funktioniere auch die politische Illusionsmaschine, die sich westliche Demokratie nennt.
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Es ist schon der zweite Tag des Kongresses, bis hierhin musste er sich mit Zwischenfragen über Wasser halten. Er greift sofort Antonio Negri an, der am Vortag Badiou und ihm vorgeworfen hatte, sie vernachlässigten den Klassenkampf. Negris Theorie von der "Multitude", also seine Idee eines revolutionären Subjekts, das in der Unterschiedlichkeit der Einzelnen das Gemeinsame sieht, geht davon aus, dass der Spätkapitalismus sich selbst abschaffe und allein dadurch eine revolutionäre Situation entstehe. Žižek und Badiou ist das viel zu konkret und realpolitisch. Žižek bewaffnet sich mit Hegels Totalitätsbegriff, mit Platons Wahrheitsbegriff und Heideggers Ereignisbegriff. Man müsse außerhalb des Staates stehen, um ihn abzuschaffen, Negri aber bleibe innerhalb des Systems, deshalb könne seine Multitude niemals eine Revolution in Gang setzen.
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Warum pessimistisch? Es ist ja tatsächlich nicht abwegig anzunehmen, dass Kapitalismus und Demokratie an einen toten Punkt gekommen sind. "Das stimmt", sagt Žižek, "aber ich glaube, dass die Linke auf tragische Weise bar jeder ernstzunehmenden Vision ist. Wir alle wünschen uns eine richtige authentische Revolution! Aber sie muss weit weg stattfinden, am besten in Kuba, in Vietnam, China, Nicaragua. Das hat nämlich den Vorteil, dass wir hier unsere Karrieren weiterführen können." Dann muss er ins Hotel, die Diabetes, man wisse doch.
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Žižek sagt, die Revolution funktioniere nie ohne eine Obrigkeit, ohne Lenkung. Das sei schon bei der Französischen Revolution und den Jakobinern so gewesen.

Freitag, 8. April 2011

Living in the End Times According to Slavoj Zizek

"Den Job bekommt der Karrierist, nicht der Querdenker"




KarriereSPIEGEL: Wenn man sich Studenten in den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten ansieht, beschleicht einen das Gefühl, dass viele schon sehr früh die Allüren und das Auftreten von skrupellosen, selbstgefälligen Managern entwickeln. Sind das Vorurteile?

Lutz von Rosenstiel: Nein, der Eindruck ist ganz treffend. In mehreren Studien haben wir Studenten verschiedener Fachrichtungen während des Studiums und zu Beginn ihres Berufslebens befragt. Dabei ist im Wesentlichen herausgekommen, dass es in der Arbeitswelt drei Typen von Menschen gibt. Den ersten Typus bilden die Idealisten, die sich vor allem für naturwissenschaftliche oder soziale Studiengänge entscheiden. Der zweite Typ, den wir in diesen Untersuchungen identifiziert haben, ist einer, der viel Wert auf Freizeit legt. Der findet sich in allen Fächern wieder. Die Wirtschaftswissenschaften werden vor allem von dem dritten Typ, den wir Karrierist nennen, studiert. Bei den Karrieristen stehen vor allem zwei Dinge auf der Agenda: erfolgreich sein und Geld machen. Ihnen sind, anders als den Idealisten, die Inhalte ihres Jobs relativ egal. Sie identifizieren sich problemlos mit den Unternehmenszielen - egal ob diese ethisch-moralisch vertretbar sind oder nicht.

Slavoj Žižek - What does it mean to be a revolutionary today? Marxism 2009

Samstag, 2. April 2011

Krass! Wir kennen nur noch ein einziges Adjektiv. Egal, ob wir etwas krass finden. Oder krass. von Philipp Schwenke (Danke an Yaso)

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in Lob und ein Tadel, das Lob zuerst: Gelobt sei das Wörtchen »krass« - das Schweizer Messer unter den Vokabeln. »Krass« kann alles, vor allem, jede denkbare Bedeutung annehmen: Das Konzert neulich, ein Autounfall und die Revolution in Libyen sind entweder fabelhaft, schrecklich und überwältigend - oder einfach krass, krass und krass. »Krass« ist der Ketchup der deutschen Sprache, denn es passt zu allem. »Krass« ist das Billy-Regal, das jeden deutschen Satz möblieren darf. Ein dreifach Hoch also auf »krass«: Hoch! Hoch! Hoch!
Und jetzt der Tadel. Ein Tadel an alle, die »krass« benutzen, und das dauernd. Ein Tadel an uns alle: »Ich habe im Lotto gewonnen.« - »Krass.« - »Meine Freundin ist von ihrem Crackdealer schwanger.« - »Krass.« - »Ich binde mir mal kurz die Schuhe zu.« - »Krass.« Könnte uns bitte mal wieder ein anderes Wort einfallen, wenn uns irgendwelche Tatsachen mehr abverlangen als ein Schulterzucken?
Als wir noch Teenager waren, haben uns unsere Eltern vielleicht noch ermahnt, mehr als zwei Adjektive zu nutzen, also nicht alles immer nur »geil« oder »scheiße« zu finden. Aber wer heute zuhört, wie sich unter 35-Jährige unterhalten, der weiß, dass es auf der Welt nur noch zwei Arten von Dingen gibt: krasse - und solche, die so wenig erwähnenswert sind, dass man über sie schweigt.
Krass ist mittlerweile so bedeutungshohl, dass ins Schlingern gerät, wer den Sinn eines Satzes sucht. Selbst der Duden ist ratlos. »Krass« bedeute in der Jugendsprache »extrem gut, extrem schlecht«. Was also heißt der Satz: »Lars ist ein krasser Typ«? Nimmt er zu viele Drogen und bedroht Mitmenschen mit Einwegspritzen - oder schreibt er seine Doktorarbeit in Quantenphysik und kann Skateboard fahren wie Tony Hawk? Es ist verwirrend.
Leider lässt sich nicht mehr genau feststellen, wann »krass« angefangen hat, Gespräche zu überwuchern. Der Ausdruck findet sich schon im Wörterbuch der Brüder Grimm: »nach lat. crassus, doch vermengt mit grasz, gräszlich; ein in manchen kreisen beliebtes superlativisches kraftwort, seit ende 18. jh., wol eben aus der studentensprache: du krasser philister!« Seine aktuelle Karriere aber muss »krass« irgendwann in den späten Achtzigern auf einem Schulhof begonnen haben. Zehn Jahre später stand es schon mit dem Duo Erkan und Stefan auf der Bühne und ließ sich so lange wiederholen, bis ein Comedyprogramm über Doofedaraus wurde. Mittlerweile arbeitet »krass« völlig ironiefrei in den Schlagzeilen von Boulevardzeitungen: »Krass! Familie versteckt Jackos Sperma in einem Geheimlabor«, informierte etwa die »Hamburger Morgenpost« nach Michael Jacksons Tod ihre Leser.
Noch vor vier Jahren schrieb Jens Friebe, Gitarrist, Sänger und Autor: »Unterprivilegierte Jugendliche haben sich, damit sie ihre wertneutrale Einstellung zu allen Dingen des Lebens und des Todes nicht immer neu beschreiben müssen, schon vor langer Zeit das Wort »krass« als Universalurteil ausgesucht, weil es Empfindungen nicht mehr nach ihrer Richtung, sondern nur noch nach ihrer Intensität ordnet.«
Doch das Adjektiv hat es aus der Parallelgesellschaft der Problemjugendlichen hinaus geschafft, es ist ein typischer Werdegang für ein Wort. »Jugendsprache renoviert und rüttelt eine Sprache auf«, sagt Nils Uwe Bahlo, Sprachwissenschaftler an der Uni Münster. Zwar verschwinden viele Angewohnheiten beim Sprechen im Laufe der Jahre wieder, niemand redet mit Ende zwanzig noch so wie mit sechzehn. Aber ein paar Wörter überleben. Manche nur in der Umgangssprache einer Generation. »Spre cher verraten ihr Alter, wenn sie Begriffe aus ihrer eigenen Jugend verwenden. Wer zum Beispiel häufig »ätzend« sagt, geht vermutlich auf die fünfzig zu«, sagt Jannis Androutsopoulos, Sprachwissenschaftler an der Uni Hamburg. Andere Wörter aber schmuggeln sich in die bundesweite Alltagssprache. Die Angewohnheit etwa, Adjektive mit »extrem« noch einmal lauter zu drehen, entspringt der Jugendsprache, aber heute schreibt selbst die FAZ, dass eine Pleite Griechenlands »extrem gefährlich« ist. Es steht also zu befürchten, dass wir »krass« nicht mehr loswerden.
Es passt ja auch so gut. Vielleicht ist »krass« das Wort zur Gegenwart, weil es sich anstandslos in eine Zeit fügt, die ohne grundsätzliche Überzeugungen auskommt. Wir haben gelernt, dass Ideologien zu nicht allzu viel führen. Uns regiert eine Kanzlerin ohne Meinung, und auch wir sollten uns nicht allzu sehr auf etwas festlegen: auf einen Job, eine Beziehung, einen Mobilfunkanbieter, eine Stadt oder einen Standpunkt. Es ist alles wahnsinnig kompliziert, und wer weiß, welche neuen Fakten alles noch mal ändern! Mit »krass« liegt man da nie falsch. Wikileaks zum Beispiel ist krass, die veröffentlichten Irakdokumente sind krass, und der Vergewaltigungsvorwurf gegen Julian Assange ist ja wohl das Krasseste.
Krass ist das Wort, das einspringt, wenn einen alle anderen verlassen haben. Wenn man keine Meinung hat, keine Erfahrung oder keine Ahnung. Deshalb sollte man sich »krass« auch leicht wieder abgewöhnen können - denn abgewöhnen sollte man es sich auf jeden Fall. Dazu ganz einfach vor dem Sprechen kurz nachdenken. In den meisten Fällen fällt einem dann schnell ein, ob eine Tatsache geil oder scheiße ist.

Zehn Sekundärtugenden des Anwalts



Kein Stargehabe und keine Kumpanei, dafür ehrliche Arbeit und Courage - und Vorsicht, mühsam aufgebaute Reputation kann so schnell verloren gehen. Der erfolgreiche Rechtsanwalt Dolf Weber bündelt seine Erfahrungen und Überzeugungen in zehn Leitsätzen: Post an den Nachwuchs der Juristerei.

Dieser Brief soll jungen Juristen helfen zu verstehen, worauf es im Berufsleben als Rechtsanwalt wirklich ankommt; er soll helfen zu vermitteln, welche Erfahrungen, Überzeugungen und Werte mich geprägt haben. Dabei stammen meine Erfahrungen aus den letzten 40 Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Als Hilfestellung können am besten die für mich wichtigsten anwaltlichen "Sekundärtugenden" dienen, die ich in zehn Leitsätzen zusammengefasst habe:
I. Nur ein glaubwürdiger Rechtsanwalt hat Erfolg.
Aus der Glaubwürdigkeit leitet sich die Überzeugungskraft ab. Diese besteht nicht nur in der Stichhaltigkeit der juristischen Argumente, sondern auch in der persönlichen Glaubwürdigkeit des Rechtsanwalts. Deshalb muss jeder Rechtsanwalt frühzeitig lernen, nein sagen zu können.
Das gilt in vielfältigen Aspekten und fängt weit vor dem Verbot an, ein Mandat zu übernehmen, in dem ein unehrenhafter Standpunkt vertreten werden muss. Glaubwürdigkeit bezieht sich auch auf so triviale Dinge wie etwa, keine Fristzusagen zu machen, die man später nicht einhalten kann.
II. Die Reputation, die man in zehn Jahren aufbaut, kann man an einem einzigen Tag verlieren.
Der Aufbau einer Reputation als Rechtsanwalt dauert im überschaubaren, engeren Kreis fünf Jahre, auf nationaler Ebene - wenn man dies anstrebt - zehn Jahre. Ich habe die jungen Kollegen immer daran erinnert, dass alles, was in der Ausbildung noch befriedigend war, in der Praxis ungenügend sein kannEin schlecht recherchiertes Argument, auf dem eine Vertragsbestimmung, eine Klageschrift oder eine Klageerwiderung aufgebaut wird, kann ein ganzes Rechtsgebäude zum Einsturz bringen.
III. Für jede Gerichtsentscheidung ist die Rechtslage mit bis zu 50 Prozent, das Environment aber zu mindestens 50 Prozent verantwortlich.
Damit stelle ich keinem Richter ein schlechtes Zeugnis aus, ich weise nur darauf hin, dass jeder, der Entscheidungen zu fällen hat, sich morgens ohne Scham in sein eigenes Gesicht sehen möchte. Gerade dieser Leitsatz ist es, mit dem sich junge Juristen am schwersten tun. Die entscheidenden Verfahren aber haben Ermessensspielräume, die durch den guten Rechtsanwalt fair beeinflusst werden können.
Dies beginnt damit, dass man bei Mandanten auf ein angemessenes Verhalten vor dem Prozess und im Prozess drängt, und geht bis zum Einsetzen der persönlichen Überzeugungskraft und des persönlichen Standings des Rechtsanwalts bei Gericht.
IV. Ein guter Anwalt verdient mehr als er verdient.
Jeder Anwalt, der gut verdienen will und auch gut verdient, sollte Bescheidenheit und Augenmaß nicht verlieren. Natürlich ist die Triebfeder des Rechtsanwalts auch die Angst vorm Hungertuch und vorm Bettelstab. Ich hatte aber das Glück, schon als Referendar einem sehr angesehenen Richter zugeordnet zu sein, der mich lehrte: "Geld soll man nur da holen, wo welches ist, nicht dort, wo keines ist."
V. Keine Kumpanei - weder mit Kollegen noch mit Mandanten.
Der Umgangston in einer Sozietät kann freundschaftlich, ja herzlich sein, er sollte nicht in eine Kumpanei ausarten, weil ein Mindestmaß an "Etikette" dem Bestand jeder Freundschaft förderlich ist. Ähnliches gilt gegenüber Mandanten. Ein Spruch, den ich häufig jungen Kollegen ans Herz legte, lautet "Geschenke verderben die Zahlungsmoral". Ein Mandant, der sich "frère et cochon" mit seinem Anwalt macht, verfolgt damit meist ein Ziel: Honorare zu sparen.
VI. Ohne Fleiß kein Preis.
Es ist für einen Anwalt aberwitzig anzunehmen, er könne seine Arbeit "aus der Hüfte" oder "aus dem Ärmel" erledigen. Qualität kann nur bringen, wer die nötige Anstrengungsbereitschaft besitzt.
VII. Für die Wertschätzung der Arbeit des Rechtsanwalts ist die Qualität des Arbeitsergebnisses nur zu maximal 40 Prozent ausschlaggebend, wichtiger ist die Vermittlung von Kompetenz und Organisationsvermögen.
Dieser Leitsatz, der sich auf die eine oder andere Weise in vielen Handbüchern und Vorlesungen zum Dienstleistungsmarketing wiederfindet, ist in der Realität durch Umfragen erprobt. Wer sich diese Aussage nicht verinnerlicht, kann trotz hoher Qualität leicht im Mittelfeld landen und nicht die seiner Intelligenz und seinen Fähigkeiten entsprechende Anerkennung erfahren.
VIII. Schuster, bleib' bei deinen Leisten.
Reputation kann nur erwerben, wer Know-how auf einem oder mehreren Fachgebieten erwirbt und diesen Fachgebieten treu bleibt. Der Einzelkämpfer wird schnell unglaubwürdig, wenn er außerhalb seines Fachgebietes agiert.
IX. In einer Sozietät muss man Teamplayer sein, man hüte sich davor, "Star" sein zu wollen.
Für viele ist es erstrebenswert, als Einzelanwalt zu arbeiten. Das hat sicherlich seine Vorteile, wenn es jemandem stärker auf Freiheit und Individualität ankommt. Innerhalb einer Sozietät, und mag sie noch so klein sein, kann man sich und die Sozietät nur fördern, indem man Teamplayer ist. "Stars" in einer Sozietät scheinen höchstens (bedingt) nach außen; nach innen können sie Ansehen und Umsatz nicht mehren, weil sie es nicht verstehen, ihre Außenwirkung auch anderen Partnern und Mitarbeitern nützlich zu machen.
X. Think big!
Jeder Anwalt sollte sich vor kleinem Karo und Eckenkehren hüten und seinen Mandanten helfen, eben dieses zu vermeiden. Großzügigkeit im Umgang mit Kollegen und Mandanten zahlt sich vielfältig aus. Das Pendant zu einer derartigen Großzügigkeit ist Unängstlichkeit. Jede Scheu, etwas anzupacken, weil es vielleicht zu viel Anstrengungsbereitschaft erfordert, schadet der Zukunftsperspektive der eigenen Praxis und der Sozietät. Gelegenheiten, die sich bieten, sollten unängstlich ergriffen werden und nicht aus Scheu vor etwas Neuem, Unerprobtem verstreichen.
Worauf kommt es wirklich an? Ich hoffe, dass vieles, was im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts gegolten hat und zum Erfolg beitragen konnte, Ihnen auch noch heute nützlich sein kann. Sicher ist schon heute, dass auch in Ihrem Anwaltsleben vier Grundgaben entscheidend sein werden: Intelligenz, Phantasie, Organisationstalent und Sozialkompetenz.

    Weisheit des Tages

    Geld soll man nur da holen, wo welches ist, nicht dort, wo keines ist. 

    Mittwoch, 23. März 2011

    Zitat des Tages

    Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht.


    deutscher Physiker und Schriftsteller (1742 - 1799)

    Freitag, 11. März 2011

    Kampf der Müdigkeit Schlaftipps für Schlaffis

    Schlaftipps für Schlaffis

    Die Hausarbeit wurde einfach nicht fertig, die Party war zu gut: Studenten machen immer wieder mal Nächte durch. Wie ungesund ist Schlafmangel wirklich, und ab welcher Dosis Schlummerentzug wird es kritisch? Schlafforscher-Hinweise für unausgeschlafene Uni-Besucher.




    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,749923,00.html

    Mittwoch, 9. März 2011

    Ex-Daily Star reporter Richard Peppiatt on quitting and criticising the newspaper



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    Mr Peppiatt resigned from the 'paper last week in protest at what he believes is their 'anti-Muslim hate-mongering'. He said he regularly made up quotes and sometimes entire stories for the newspaper.
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    "I knew it wasn't very good journalism. However, it was my job," he tells Victoria Derbyshire.
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    Sonntag, 6. März 2011

    Verlorene Helden Ein Insider-Bericht über das Minenunglück in Chile von Felicitas von Twickel

    Die Welt staunte nicht schlecht, als man im Herbst vergangenen Jahres den 33 verschütteten chilenischen Kumpeln 700 Meter unter der Erde Fußball im Fernsehen kredenzte. Bisher eher unbekannt ist, dass das gut gemeinte unterirdische Glotzen die Kommunikation der Bergleute nahezu zerstörte und eine funktionierende Arbeitsstruktur lahmlegte.




    " Im Rückblick sehen die Rettungskräfte das Fernsehen als ihren größten Fehler. Wäre es Radio gewesen, die Kumpeln hätten sich gesellschaftlich weiterhin nützlich machen können. So aber hingen einige nur noch vor dem Fernseher herum, worüber sich andere beschwerten. Einer wirklichen Eskalation kam dann die geglückte Rettungsaktion 

    Wenn Manager fliegen

    Gefeuert, telefonisch und mitten auf dem Flughafen: Der Roman "Die Kündigung" erzählt von einem Mann, der sich verzweifelt an ein Leben in der Business-Class klammert. Autor Hubertus Meyer-Burckhardt war selbst Manager und kennt Menschen, die ohne ihren Job völlig abstürzten.


    http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,748173,00.html




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    Meyer-Burckhardt: Ich habe eine ganze Weile meines beruflichen Lebens mit Männern zugebracht, die sich sehr stark über Leistung definieren. Da stellte sich mir irgendwann die Frage: Was bleibt von der Person ohne ihre Funktion? Die Frage wirkt auf stark leistungsorientierte Menschen so, als würde ihnen jemand das Geländer wegreißen. Dieses Phänomen gibt es aber nicht nur im Investmentbanking oder im Verlagswesen. Man kann es in allen Branchen beobachten.



    Meyer-Burckhardt: Ein Workaholic ist süchtig. Das bin ich nicht. Ich mache nur Dinge, die mir Spaß machen, weil ich nur darin gut bin. Aber genau das finde ich so spannend in unserer Gesellschaft. Mit nichts kann man Menschen so sehr verblüffen wie mit der Frage: Wäre es nicht zur Abwechslung eine gute Idee, wenn Du nur mal das machen würdest, was Du wirklich willst?
    SPIEGEL ONLINE : Das klingt gut, kann sich aber nicht jeder leisten.
    Meyer-Burckhardt: Genau das bekomme ich dann immer zu hören. "Du kannst es dir ja leisten." Einem Menschen zu empfehlen, er solle nur noch das machen, was er will, hat fast obszönen Charakter. Die Sorge der Deutschen vor jeglichem Risiko ist unverhältnismäßig groß. Und wozu sind wir denn auf der Welt? Um zumindest weitgehend eine Identität zu schaffen zwischen dem, was sie sich vorstellen und dem, was sie tun.